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August 2008 
Hallo an das ganze Team!

Wir hatten eine tolle Woche bei Euch und ich kann euch versprechen, wir kommen mit Sicherheit noch einmal. 

Und all denen, die in diesem Gästebuch stöbern, so wie ich es auch getan habe, um mehr über die Ranch als Ferienziel zu erfahren, hier ein (langer) Erfahrungsbericht, wie es mir in dieser Woche ergangen ist:
 
Ich bin in dem Glauben auf die Ranch gekommen, dass ich mit meinen fünf Jahren Erfahrung als Reiter eigentlich ganz ordentlich reite, auch wenn ich sicher noch einiges lernen könnte. Aber eben nur könnte, nicht müsste. Und mein Umgang mit meinem 11 jährigen Wallach (Pepper) könnte doch bestimmt gar nicht besser sein. Immerhin habe ich ja nur seinetwegen mit dem Reiten angefangen. Das ein oder andere Problem liegt halt an seinem Dickkopf, aber doch nicht an mir. 

Naja, mir wurde recht schnell deutlich, dass da was an meiner Einschätzung nicht stimmt. Und das ich das ändern kann. 

Es fing schon damit an, daß mir gezeigt wurde, wie ein respektvoller Umgang beim Führen am Strick in alltäglichen Kleinigkeiten aussehen sollte, und dass dies Pferd und Reiter mehr Sicherheit gibt. Wer führt wen? Wohin wende ich mein Pferd? Wer bestimmt das Tempo?.... Wie gesagt, nur Kleinigkeiten, aber dennoch wichtig. Und alles ganz ruhig und sachlich, ohne Zwang, und ohne mir das Gefühl zu geben, wie unwissend ich sei. Echte Hilfen halt. 
 
Mit dem Reiten ging es dann weiter. Ich kann hier unmöglich alles auflisten, was ich in der Woche an neuem gelernt habe, oder welche lang vergessenen Dinge, mir wieder in Erinnerung gebracht wurden. Dann wäre ich Stunden mit schreiben beschäftigt, denn der Umgang mit Pferden war natürlich das alles beherrschende Thema in der ganzen Woche. 
 

Sei es in den Reitstunden, beim Frühstück, Mittag- oder Abendessen, der gemütlichen Runde am Abend oder beim Betrachten der anderen Reiter und Pferde auf dem Platz. Immer gab es Neues zu lernen, wenn ich zuhören wollte. Nichts wurde mir aufgedrängt oder als selbstverständlich vorausgesetzt.

Um es abzukürzen, Zuhören war die entscheidende Lektion für mich in dieser Woche. Nicht unbedingt zuhören, was mein Reitlehrer mir erzählt (Sorry, Norbert!), sondern zuhören, was mein Pferd mir sagt. Denn Pepper habe ich unrecht getan, sooft ich gemeint habe, er sei dickköpfig und widersetzlich. Nur mit Druck wäre ihm beizukommen. 

In dieser einen Woche durfte ich selbst erleben, was ein etwas anderer Umgang mit meinem Pferd für enorme Veränderungen bewirken kann. Alle Dinge, bei denen ich mit Pepper Probleme hatte, lagen nicht daran, dass er stur, unsensibel oder faul ist (was ich ihm bisher unterstellt habe), sondern daran, daß ich mich für Ihn unklar oder widersprüchlich ausgedrückt habe. Er hat nur versucht sich aus dem Wust von wirren Signalen, die ich ihm gegeben habe, das herauszusuchen und umzusetzen, von dem er meinte, es sei das richtige. 

Ein Beispiel: Galopptraversen

Bisher ein echter Kraftakt für Pepper und mich, denn ich habe versucht ihn mit Zügel, Hilfszügel und Sporen gegen meinen Sitz im Galopp in eine Traverse zu zwingen. Ohne Erfolg natürlich. 
 
Und er hat versucht trotz der ganzen Behinderungen durch Zügel, Hilfszügel und Sporen meinem Kommando durch den Sitz zu folgen. Und das war ganz klar: „Gib Stoff, Junge. Kachel schnurgeradeaus, und am besten mit maximalem Tempo.“ Bei mir oben im Sattel kam als Reaktion an: „Der Mistbock will nicht. Er hat sich wieder das Gebiss zwischen die Zähne geklemmt, den Kopf hoch gerissen und geht voll gegen den Zügel. Aber okay, dann eben mehr Sporen, der wird schon seitlich laufen.“ Und Pepper verstand: „Noch schneller!“

Naja, das Ergebnis war eine Katastrophe, aber zum Glück immer ohne Verletzte (Danke Pepper).

Nach unserer Woche Urlaub auf der Ranch haben wir das gleiche wieder versucht. Galopptraversen. Ich muss gestehen, es hat zwei mal nicht geklappt, er ist weiter geradeaus galoppiert. Aber meine Reaktion war nicht, ihn mehr zu treiben, sondern ganz ruhig zu bleiben, und Pepper blieb es auch. Kein Stress, keine Panik, aber leider auch noch keine Traverse. Später habe ich mir überlegt, was habe ich falsch gemacht? Wieso ist der blöde Zaun am Ende der Reitbahn immer weiter auf mich zugekommen? Wieso habe ich den Zaun überhaupt gesehen? Hätte ich nicht eigentlich in die Richtung schauen sollen, in die ich Reiten wollte? Und wenn ich das nicht getan habe, wie war dann mein Sitz? Das Ganze noch einmal in Gedanken durchgespielt, dabei auf meine Gewichtsverlagerung geachtet und siehe da. Pepper konnte gar nicht anders als geradeaus laufen, denn das war die Richtung die ich mit meiner Gewichtshilfe vorgegeben habe. (Zitat Norbert: „Der hört einfach nur auf Deinen Hintern, also setzt dich richtig, dann klappt's“) Und sicher ist, wenn wir das nächste mal Galopptraversen probieren, dann werde ich dahin schauen, wohin ich reiten will. Und entsprechend sitzen. 

Dies ist nur eine kleine Veränderung im Umgang mit Pepper, bei anderen Dingen haben sich auch direkt Erfolge eingestellt. Und das beste ist: Pepper ist das zufriedenste und umgänglichste Pferd, dass man sich nur wünschen 
kann. 

So, und wenn Ihre jetzt keine Ahnung habt, was auch auf der Ranch erwartet, die hatte ich auch nicht, aber es war klasse. 

In diesem Sinne besonders Dir, Norbert, vielen Dank für deine Mühe, Hilfe und Geduld.

Mit besten Grüßen,
Arne 


Anmerkung der Triple-D-Ranch:
Ein solcher Erfolg wie Arne ihn in dieser Woche erzielt hat ist eher ungewöhnlich. Dies ist nur mit seinem hohen Engagement und seinem Verständnis über den Zusammenhang zu erklären. Es hat allen sehr großen Spaß gemacht, am meisten Pepper. Der ist in einer Woche zu einem rundum zufriedenen Pferd geworden.