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Reiten auf Kandare beim Westernreiten

Immer wieder hört man: Ich reite mein Pferd mit einer Kandare!!!
Was um Gottes Willen heißt das nun?

Leider viel zu oft kommt dieser Spruch , wenn mit einer normalen Wassertrense nichts mehr geht. Mein Pferd ist im Gelände ohne Kandare nicht zu halten.
So oder ähnlich lauten die Gründe für die Umstellung auf dieses Gebiss.

Wenn wir solche Dinge zu hören bekommen tun uns jedesmal diese Pferde leid. Nicht wegen der Kandare, sondern deren falscher Anwendung.

Um den korrekten Weg aufzuzeichnen, versuchen wir hier ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen.

Gerade in der Westernszene gibt es diverse Arten der Kandare.

Shanksnaffle
Shanksnaffle 
(doppelt gebrochen)
Low Port
Medium Port
High Port
Stange

Dies ist nur eine grobe Auswahl der Möglichkeiten. Dennoch ist unschwer zu erkennen, dass bei falscher Anwendung gewaltiger Schaden beim Pferd entstehen kann. Und es ist nicht damit getan, einem Pferd ein solches Instrument ins Maul zu packen und gut ist es.
Nicht umsonst Spricht man in der Reiterei von „Umstellung auf Kandare“ und von „Kandarenreife des Pferdes“.

Was aber bedeutet nun „Kandarenreife des Pferdes“?

Im Grunde heißt es nur, dass ein auf Wassertrense (Snaffle) gerittenes Pferd, so fein an den Hilfen steht, dass eine Einwirkung durch das Gebiß auf ein Minimum reduziert ist.

Das Pferd muß so weit gearbeitet sein, dass Gewicht und Schenkel weitestgehend reichen ein Pferd zu steuern. Ob es nun in den drei Gangarten oder auf dem Zirkel in der Biegung ist.


Als Test empfiehlt es sich, ein Pferd völlig ohne Gebiß abzufragen. Das Bild sollte nur unwesentlich vom Reiten mit Wassertrense anders sein. D. h. dem Pferd wird zwar der Zügel fehlen, jedoch nicht das Gebiß.
Voraussetzung für eine solche Übung ist, dass das Pferd gelernt hat sich selber zu tragen.


Wenn ein Pferd diesen Ausbildungsstand hat, kann mit der „Umstellung auf Kandare“ begonnen werden.

Was heißt das nun wieder?

Wir brauchen für eine korrekte Umstellung bei regelmäßiger Arbeit (min. 3 Reitstunden / Woche) etwa 6 Monate. Die Einwirkung mit einem Bit ist völlig anders als beim Snaffle. Während beim Snaffle Druck in den Mundwinkeln bzw. auf den Unterkiefer entsteht, kommt beim Bit zusätzlich Druck auf den zweiten Nackenwirbel und ans Kinn.

Damit ein Pferd nicht von all diesen neuen Druckpunkten überfallen wird, beginnen wir mit einem Shanksnaffle und seinen 4 Zügeln.
Zwei Zügel sind in der Mitte eingeschnallt, so wirkt da Gebiss wie ein normales Snaffle und zwei in den Shanks um die Wirkung des Bits (Kandare) zu bekommen. So spielen wir unser Pferd nach und nach in das Bit. Bei dieser Arbeit muss ein Pferd sicher auf den äußeren angelegten Zügel (Neckreining) reagieren. Diese Arbeit muss sehr vorsichtig gemacht werden, da ein Shanksnaffle ja nur der Anfang der Umstellung ist. Geschieht dies zu schnell, wirft uns das bei der weiteren Ausbildung auf ein Lowport z. B. weit zurück. Bei allen festen Stangengebissen, angefangen beim Lowport bis zum Highport, habe ich als Reiter keinen Einfluss mehr auf die Biegsamkeit des Pferdes durch den Zügel. D. h. eine seitliche Einwirkung bei einem Port ist nicht mehr möglich. Dies würde unweigerlich zum Verwerfen des Pferdes führen. Richtig angewandt, sollte das Zügelgewicht ausreichen, eine Reaktion beim Pferd auszulösen.
Wir werden diese Reihe fortsetzen mit der weitergehenden Ausbildung auf ein Highport, dessen Wirkung und auf Bosal.