Besser Freizeitreiten oder besser Turnierreiten - oder geht auch beides?

Turnierreiter kontra Freizeitreiter

Was ist ein Freizeitreiter???

Ein Reiter der in seiner Freizeit reitet! Aber die Westernreiter, Dressurreiter, Springreiter, ... - die reiten doch auch in ihrer Freizeit?!
Neuer Versuch: Freizeitreiter sind jene Reiter, die ihren Umgang mit Pferden nicht als "Sport" bezeichnen würden, sondern als reines Hobby.
Sie nehmen nicht organisiert an Turnieren teil, wobei Reiterwettbewerbe oder kleinere Turnierprüfungen durchaus Ausnahmen bilden können.

In unserem Vokabular gibt es die Differenzierung zwischen Turnier- und Freizeitreiter im Allgemeinen gar nicht.
Wie bei Pferden, die nun einmal in
  • 1. gut gebaute Pferde
  • 2. schlechter gebaute Pferde
im Sinne von "Reitpferdepoints" eingeteilt sind, gibt es aus unserer Sicht lediglich
  • 1. gute Reiter
  • 2. schlechte Reiter
im Sinne von "was ist gut für das Pferd".



Uns sind sowohl gute Reiter bekannt, welche nie ein Turnier besucht haben wie auch Turnierreiter, die alles andere als gut reiten können und von vielen sogenannten Freizeitreitern noch einiges lernen könnten.

Unserer Meinung nach geschieht diese Klassifizierung Turnier- gegen Freizeitreiter aus einem Denkfehler heraus.

Selbst im Gelände kann man sein Pferd arbeiten und es bietet eine schöne Abwechslung zur Ausbildung auf dem Reitplatz.


Ursprung der ganzen Reiterei war die Arbeit. Völlig unabhängig von der Reitweise, wurden Pferde benutzt um von einem Ort zum anderen zu gelangen. Sehr schnell stellte man dabei fest, dass Pferde mit einem "guten" Gebäude diese Arbeit besser verrichteten und weniger anfällig waren als schlechter gebaute. Also arbeitete die Zucht daran mehr Pferde mit gutem Exterieur zu bekommen.

Gott sei Dank machten sich Menschen auch Gedanken darüber, dass ein Pferd eigentlich gar nicht zum Reiten geboren wurde und somit erst in die Lage versetzt werden musste, diese Arbeit zu verrichten. So entstanden die ersten Ansätze einer Reitlehre die man wohl besser "Gesunderhaltung Pferd Lehre " hätte nennen sollen. Mit dieser Erkenntnis, dass Pferde, wenn sie entsprechend trainiert werde, länger gesund bleiben, trafen sich nun (häufig in Offizierskreisen) die Herren Reiter und zeigten stolz ihre Erfolge beim Pferdetraining.

Das war die Geburtsstunde der Turniere.

Dies hört sich nun sehr edel an, ist jedoch in erster Instanz eigennützig. Denn man lernte auf diesen „Turnieren“ auch eine Menge von den anderen Teilnehmern und konnte sein neugewonnenes Wissen später selbst anwenden. Dies war notwendig, denn schon für Napoleons Soldaten war der Weg nach und von Russland mit Pferd einfacher als ohne. Und auch Goethe hätte wohl ohne Pferde Italien nie kennen und lieben gelernt.

Resümee: Turniere waren und sind also nicht der Zweck mit Pferden zu arbeiten, sie sind das logische Ergebnis guter Arbeit mit Pferden und lediglich ein Vergleich wo mein reiterlicher Stand ist und woran ich weiter arbeiten muss.

Reiter und Pferde auf einem unserer jährlichen Play Day Turnieren.


Genau da scheidet sich die Spreu vom Weizen: Ein Turnierreiter, der des Schleifchens wegen auf dem Turnier erscheint, taugt so wenig wie der Nichtturnierreiter der vorgibt nichts tun zu müssen, da er ja nicht auf Turniere geht. Dazu wäre noch zu sagen, dass egal in welcher Reitweise auf Turnieren in den unteren Klassen nicht mehr verlangt wird, als ein Minimum an Kontrolle über sich und sein Pferd. Wer dieses Minimum nicht beherrscht, sollte auch nicht ins Gelände gehen, denn er stellt somit nicht nur eine Gefahr für sich und sein Pferd, sondern auch für Unbeteiligte ( z.B.: Spaziergänger) dar.

Nun lässt sich auch erklären, warum schlechtere Reiter gute Pferde haben sollten.
Das gut gebaute Pferd kann zumindest einen Teil der Unwissenheit des Reiters kompensieren. Ein guter Reiter, der täglich mit einem schlechter gebauten Pferd an dessen Schwächen arbeitet, nutzt diesem sicher mehr als ein schlechter, der dies zweimal die Woche versucht. Dieser gute Reiter, wohl wissend um die Arbeit, wird sich aber tunlichst nach einem gut gebautem Pferd umsehen, da er sein Pferd ja gerne gesund halten möchte

Turnier ist lediglich ein Vergleich zwischen der Arbeit des einzelnen im Zusammenhang mit Exterieur Pferd.

Hat ein Reiter nun diese Einstellung, ist auch verständlich, dass man diesem Turnierreiter relativ einfach erklären kann, dass sein Erfolg auf dem Turnier gleichbedeutend mit seinem Erfolg um die Gesunderhaltung des Pferdes ist.
Insofern ist bei Turnierreitern (die übrigens nahezu alle Freizeitreiter sind) die Argumentation wesentlich einfacher.

Das Verständnis und der direkte Bezug sind greifbarer.

Arbeiten auf dem Platz kann auch in seiner Freizeit Spaß machen.


Abschluß:

Wir haben nichts, aber auch gar nichts gegen Freizeitreiter.

Aber wir haben etwas gegen Leute, die mit den fadenscheinigsten Erklärungen kommen, um ihre eigene Faulheit, ihre Unkenntnis, oder auch ihren schmalen Geldbeutel verteidigen.
Und das egal auf welcher Seite diese Leute stehen. Nicht jeder kann Onassis sein, aber dann sollte man dazu stehen. Ein Pferd ist nun mal kein Muss sondern ein Luxusartikel. Im Interesse der Pferde sollte man sich also lieber kein Pferd kaufen, als ein schlecht gebautes dem man nicht gerecht werden kann.

Fertig - und es hat beiden Spaß gemacht!