Warum ist die Quarter Horses Pferdezucht so wichtig und benötigt Erfahrung?

Zucht contra Vermehrung

Warum kosten manche Pferde mehr als das 10fache als Andere?

Die Antwort darauf ist nicht in einem Satz gegeben.

Man muss sich näher mit der Materie beschäftigen und mit Menschen mit viel (Pferde-)Wissen kommunizieren um hier Antworten zu finden.

Doch woher haben die Menschen dieses Wissen?

Hier fällt die Antwort deutlich leichter.

Sie haben sich zum Pferdewirt, Schwerpunkt Zucht und Haltung, ausbilden lassen. Sie haben in diesen drei Jahren und in der Zeit danach meist tausende von Pferden gesehen.

Mancher wird sich jetzt denken, das habe ich auch, doch diese Menschen schauen sich ein Pferd ganz anders an als der “Otto-Normalverbraucher“.

Selbst die Kleinen werden von Henrike nach ihrem Exterieur
und Interieur und somit ihrer späteren Veranlagung beurteilt.


Sie sehen nicht, ob ein Pferd eine tolle Farbe, eine schicke lange, gewellte Mähne hat, oder einfach nur dieses süße Ponygesicht.

Nein, sie schauen nach dem Exterieur des Pferdes, nach den Reitpferdepoints.
» Also, ist die Maulspalte lang genug?
» Ist die Ganaschenfreiheit gegeben?
» Wie ist der Wiederrist angelegt?
» Stimmt die Rückenlinie?
..Liste könnte fortgeführt werden..

Bei diesem noch kleinen Pferdemaul
wird es wohl später keine Probleme geben. ;-)


Was aber haben diese Leute nun mit der Zucht zu tun? Alles!

Denn nur Menschen mit Fachwissen können überhaupt züchten.

Nun werden wieder einige sagen: „Nein, das stimmt nicht!“ Schließlich hat der schicke Friesenmixhengst doch die Ponystute meiner Freundin gedeckt und es ist ein Pferd mit toller Farbe, einer langen, welligen Mähne und genau jenem süßen Ponygesicht dabei herausgekommen.

Eben das ist nicht züchten, sondern wahllos vermehren. Denn eine schicke lange Mähne lässt sich nun mal nicht reiten..

Was aber tut denn nun ein Züchter?

Erst einmal überlegt er sich, was und wie er überhaupt züchten mag.

“Was“ bedeutet: möchte ich ein Springpferd, ein Dressurpferd, oder Westernpferd züchten? Oder noch etwas anderes?

“Wie“ bedeutet, dass sich der Züchter überlegt, welches Zuchtverfahren er einsetzten möchte.

Wir haben uns für das Westernpferd entschieden
und hier im speziellen für das Foundation Quarter Horses.


Hier kann man sowohl die relativ sicherer Variante, als auch die gewagtere Version wählen.

Als “sicher“ bezeichnet man die sogenannte Reinzucht. Hier ist der Genpool ziemlich homolog, so dass keine großen Veränderungen zu erwarten sind.

Man kann jedoch auch Kreuzungszucht betreiben, oder gar Inzucht. Daran sollten sich jedoch wirklich nur die absoluten Profis wagen.

Gut, die Entscheidung ist also gefallen, und nun?

Nun kauft sich der Züchter eine überdurchschnittlich gute Zuchtstute mit besten Charaktereigenschaften. Denn ein Großteil der Merkmalsausprägungen des Fohlens kommen von der Mutter.

Dann nimmt man diese Stute ganz genau unter die Lupe. Alle ihre guten, aber auch all ihre schlechten Merkmale werden erfasst. Nehmen wir einmal an, diese Stute hat eine etwas zu steile Schulter und damit ist der Wiederrist etwas kurz geraten.
Das sind also die Mankos unserer Zuchtstute in diesem Beispiel.

Um nun einen geeigneten Hengst zu finden, muss man sich also alle Hengste, die in Frage kommen, genau anschauen, so wie man es vorher mit der Stute auch gemacht hat.
Findet man nun einen Hengst, der ebenfalls sehr gut ist und dessen Schulter und Wiederrist nahezu optimal sind, so muss man sich nun die Nachzucht dieses Hengstes anschauen.

Hier sieht man dann viele Fohlen (am besten auch die dazugehörigen Mutterstuten) von ganz unterschiedlichen Stuten.
Wenn der Großteil dieser Fohlen eine gute Schulter aufweisen kann, so weiß man, dass sich der Hengst in diesem Merkmal dominant vererbt und kann sich glücklich schätzen.

Wenn nicht, beginnt die Suche von Neuem.

Quarter Horse Hengst TD Wait and See
aus unserer eigenen Zucht.


Nach langem Suchen und etlichen Kilometern, ist nun also endlich der passende Hengst gefunden.

Die Decktaxe wird gezahlt und die Stute ca. 18 Tage nach der Bedeckung vom Tierarzt untersucht. Sie ist tragend!
Zur Sicherheit wird nach dem 120. Tag nochmals eine Untersuchung vorgenommen. Nun wird der Geburtstermin ermittelt und die Stute bekommt ab dem 7. Trächtigkeitsmonat deutlich mehr Kraftfutter und Mineralien gefüttert.

Die Trächtigkeit einer Stute läßt sich am sichersten
mit Ultraschall feststellen.


Ungefähr einen Monat vor dem errechnteten Geburtstermin wird die Stute über Nacht in einer Box untergebracht, damit sie dort ihre spezifische Keimflora aufbauen kann. Manche lassen die Mutterstuten auch Tag und Nacht draußen, nur wenn dann etwas passiert kommt man häufig zu spät. Nun wir entweder jede Nacht die Überwachungskamera angeschaltet, oder die Stute bekommt einen Geburtenmelder um den Bauch geschnallt. Denn bekommt man eine Geburt nicht mit und das Fohlen liegt falsch, so kann es den Tod für Mutter und Kind bedeuten.

Glücklicherweise läuft meistens alles glatt und das Fohlen kann alleine von der Mutterstute auf die Welt gebracht werden. Dann kommt der Züchter dennoch hinzu und hilf bei der Erstversorgung des Fohlens. Am nächsten Morgen wird der Tierarzt gerufen, der dem Fohlen eine Art Schutzimpfung injiziert. Die Mutterstute wird direkt entwurmt. Nun betrachtet sich der Züchter das Neugeborene, wie es mit seiner Mutter zusammen über die Wiese läuft. Und da Züchter nun mal auch Menschen sind, wird er dieses Pferdekind im ersten Augenblick für das beste je geborene Fohlen halten.

Doch im nächsten Moment beginnt er schon mit der Exterieurbeurteilung...

Ist das Ergebnis dieser sorgfältig betriebenen Zucht wirklich so gut, wie er es sich erhofft hat?

Meistens ja, doch die Natur spielt uns Menschen manchmal einen Streich und so kann es passieren, dass kein überdurchschnittlich gutes, sondern eben nur ein gerade noch gutes Pferd dabei herauskommt.

Doch die Wahrscheinlichkeit, dass auf den Koppeln eines seriösen Züchters überdurchschnittlich gute Fohlen umher toben ist um ein vielfaches höher, als wenn er diese Selektion, die so zeitaufwendig und kostenintensiv war, vorher nicht betrieben hätte.

Denn nicht jedes Pferd ist zum Reiten geeignet, so wie nicht jeder Hund zum bewachen eines Hofes geeignet ist. Denn ganz ehrlich, ein Chihuahua wirkt auf Grund seiner äußeren Erscheinung nicht wirklich furchteinflößend.

Der Chihuahua gilt als die kleinste Hunderasse der Welt.
Auf dem Foto einer der sanften Langhaar Chihuahuas.


Das Problem ist nur leider, dass zu wenig Menschen wissen, dass Pferde Schaden nehmen, wenn sie trotz grober Exterieurmängel geritten werden.
Bei kleineren Mängeln dauert nur die Ausbildung des Pferdes um ein Vielfaches länger (und ist somit ebenfalls um ein Vielfaches teurer), als bei einem gut gebauten Pferd.

Der seriöse Züchter hat nun also viel Zeit und Geld in das Fohlen investiert. Er wird jetzt folglich nicht auf halber Strecke aufgeben und die Nachzucht sich selbst überlassen.
Nein, er wird nach vier Wochen das erste Mal den Schmied zu Rate ziehen, der nun in kurzen Intervallen kleine Fehlstellungen direkt im Fohlenalter korrigieren wird. Natürlich bekommt das Fohlen bestes Futter und wird regelmäßig geimpft und entwurmt.
Genauso selbstverständlich sollte es sein, dass das Fohlen halfterführig ist und den Hänger kennen lernt. Außerdem wird es auf einer Fohlenschau vorgestellt.

All das kostet nun wieder viel Zeit und Geld (Unterhaltskosten), doch es lohnt sich, denn dieses Fohlen wird sich zu einem überdurchschnittlichem Reitpferd mit bestem Charakter entwickeln.

Und wer weiß, vielleicht bekommt es ja sogar eine schöne lange, gewellte Mähne:-)

Foto mit freundlicher Genehmigung von Pferdeshows.de