Welche Bedeutung haben die verschiedenen Zuchtmethoden in der Pferdezucht?

Erklärungen der verschiedenen Zuchtmethoden der Pferdezucht

Wenn man von Zuchtmethoden spricht, so denken hier sicher viele an Begriffe wie Natursprung oder Besamung.
Aber ganz so einfach ist es nicht, denn hinter dem Begriff steht das gezielte Vorgehen eines Züchters um das Zuchtziel „Fohlen“ nach seinen Wünschen und Vorstellungen zu beeinflussen.
Hier stehen verschiedene Zuchtverfahren zur Auswahl, welche im folgenden erklärt werden.

Reinzucht

Unter Reinzucht versteht man, wenn man Pferde einer Rasse oder Population untereinander kreuzt.

Hier sind keine großen züchterischen Sprünge zu erwarten, da der Genpool relativ homolog ist. Deswegen gilt diese Zuchtvariante auch als relativ sicher. Erfolge werden durch strenge Selektion der Zuchttiere erzielt. Man muss jedoch aufpassen, dass das zur Verfügung stehende genetische Material nicht zu eng wird, sondern noch eine genügende Breite erhalten bleibt.

Beispiele: Isländer, Englisches Vollblut


Inzucht & Inzestzucht

Unter Inzucht versteht man die Verpaarung von 3. bis 6. Grades verwandter Tiere, also eine extreme Reinzucht. Inzestzucht bedeutet, das Verwandte des 1. und 2. Grades miteinander verpaart werden.
Beide Zuchtmethoden sollten den absoluten Profis vorbehalten bleiben und nicht zur Regel werden, da sonst die genetische Vielfalt nicht mehr gegeben ist.
Bei diesen Zuchtmethoden sollen die guten Merkmale der Elterntiere potenziert werden. Es kann jedoch auch zu sogenannten “Inzuchtdepressionen“ kommen. Dann werden die jeweils negativen Merkmale der Parentalgeneration verstärkt auf das Fohlen vererbt. Auch rezessive Erbkrankheiten können hier wieder zum Ausbruch kommen.

Beispiele: gewollt: Araber; gezwungen Friese, Rückzüchtung des Konik (Foto)


Kreuzungszucht:

Kreuzungszucht bedeutet, dass Tiere verschiedener Rassen bzw. Populationen miteinander gekreuzt werden.

Veredlungskreuzung:

Bei der Veredlungskreuzung sollen die grundlegenden Merkmale einer Ausgangsrasse erhalten bleiben und nur einige wenige Merkmal durch die Veredlerrasse verbessert werden. So werden folglich in die Ursprungsrasse nur einmal Veredlerhengste eingekreuzt. Ist das gewünschte Ergebnis jedoch noch nicht erreicht, so wird dieser Vorgang wiederholt. Bei dieser Methode wird der Genpool erweitert.
Beispiel: Deutsches Reitpferd veredelt durch Englische Vollblüter, Araber und Trakener

Kombinationskreuzung:

Bei der Kombinationskreuzung werden zwei Rassen miteinander verpaart. Es entsteht eine völlig neue Rasse. Hier werden durch Selektion der Nachkommen nur die jeweils besten Merkmale der Ursprungsrassen in der Neuen Rasse vereint.
Beispiel: Aegidienberger (Isländer x Paso Peruano)

Verdrängungskreuzung:

Bei der Verdrängungskreuzung werden die Stuten einer Ursprungsrasse mit den Hengsten einer anderen Rasse verpaart. Die Nachkommen werden immer wieder mit Hengsten der “Verbesserungsrasse“ gedeckt. Bei dieser Methode sollen nur einige wenige Merkmale der Ausgangsrasse erhalten bleiben (z.B. Bodenständigkeit) und die positiven Merkmale der anderen Rasse dominieren. Somit entsteht ein großer Genpool und eine neue Rasse. Es kann jedoch immer wieder zu Rückschlägen kommen, wenn in den späteren Generationen die Ursprungsrasse wieder deutlich hervortritt. Wenn eine genügend große genetische Vielfalt vorhanden ist, werden nur noch die nun relativ homologen Nachkommen miteinander verpaart.
Beispiel: Trakener (Schwaiken x Englisches Vollblut)

Gebrauchskreuzung:

Bei der Gebrauchskreuzung werden in der Regel zwei Rassen miteinander verpaart. Mit der Nachzucht soll nicht weiter gezüchtet werden, sie dient lediglich dem “Gebrauch“ und ist meist nicht zeugungsfähig.

Beispiele: Maultier & Maulesel